Thai Sprache

Zauberhafte Tonlagen

Nur die Thaisprache kann mit ihrer exotischen Klangfülle den geheimnisvollen Zauber, den die Thaiwelt voller Geister, liebevoller Schüchternheit, leichter Unterhaltsamkeit und echtem Mitgefühl prägt, entlarven. Die Sprache im geschliffenen Umgangston ist beschwingend heiter singend und vor allem behutsam leise. In Khao Lak spricht man diese Sprache nur vereinzelt. Meistens hört man den typischen südlichen Dialekt, der, gemessen an seiner Deftigkeit, der bayrischen Wortgewalt in nichts nachsteht.

Für uns kaum wahrnehmbar, bedienen sich gut erzogene Thais feinster Nuancen, um in ihrer kurzsilbigen Sprache mit gleichen Wörtern, aber diese verschieden intoniert, das Spektrum ihrer Welt und Wahrnehmung anderen mitzuteilen. Diese sinnliche Anmutung schier unhörbarer Tonalität erfaßt die Hauptschwierigkeit für erlernende Ausländer. Sonores Sprechen blockiert den thailändischen Klangzauber.Thaisprechen bedeutet seine Stimmbänder wie ein  Musikinstrument zu behandeln und zu beherrschen. Die Grammatik der Thaisprache passt in eine kleine Schatulle. Es gibt keine Artikel und es wird weder konjugiert noch dekliniert. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können nur durch Kontext ausgedrückt werden. Man stellt einfach Worte nebeneinander und ihre Konstellation erschließt die Absicht der Aussage. Es ist also bedeutend, ob man erst Haus und dann Vater sagt, oder umgekehrt.

Um keine Verwirrung zu stiften, unterteilt man fünf Tonstufen mit vielen Akzentuierungen, die in der Schrift die Buchstaben wie einen geschmückten Weihnachtsbaum zieren. Jeder der fünf Töne gibt demselben Wort eine andere Bedeutung. Das Wort „Khao“ in Khao Lak bedeutet Berg, Hügel. Dasselbe Wort in „Khing Khao“ heisst Reis. Die vollständige Übersetzung „Reis essen“ wird heute allgemein für Essen angewendet.

Die Klangfülle der Betonungen ist so speziell und reich an Intonierungen, daß es aktuell weder eine  einheitliche Transkription, noch eine einheitliche Transliteration gibt, die internationale Anerkennung fände. In Khao Lak trifft man deshalb oft verschiedene Schreibweisen desselben Ortes an derselben Strasse. Meine ersten Jahre habe ich in Bangkok verbracht, in Lad Phrao. Oft habe ich nicht zurückgefunden, weil auf den Verkehrschildern die verschiedensten Schreibweisen des Bezirks verwendet wurden.

Ursprung der Sprache

Ursprünglich kommt die Thaisprache aus China. Vertrieben aus ihren ehemaligen Regionen, fanden die dort sesshaften Thai ihr neues Zuhause im gegründeten Siam, dem heutigen Thailand. Hier entwickelten die Thais, vielen Ethnien entstammend, ihre eigene Sprachkultur aus Chinesisch, Sanskrit und Pali aus Indien, Mon, Khmer und vielen anderen Sprachfamilien. Unter König Rama Khamhäng wurde 1283 das erste Alphabet eingeführt. Aus diesen identitätsstiftenden Buchstabengesetzen entwickelten sich regionale Besonderheiten der Anwendung. Dialekte kristallisierten sich heraus. Eine grosse Vorliebe galt dem Volksmund auf den Märkten. Man traf sich nicht nur zum Einkauf, sondern auch zu vergnüglichen Klatsch-und Tratschgeschichten. Ein Marktbesuch war das bestimmende Gesellschaftsereignis. Letztendlich adelte die Oberschicht der Thais diese Marktsprache als „Pasa Thai“, die allgemeine Umgangssprache der Thai hatte sich nun etabliert.

Schön sprechen ist Sanuk

In Thailand spricht man gern und viel. Das perfekte Ausbreiten ihres sprachlichen Klangteppichs verbreitet gute Stimmung, denn man teilt auch gerne Anerkennung und Bewunderung zur gemeinsamen und sinnlichen Erbauung. Fröhliches und wohlklingendes Miteinandersprechen ist pures Vergnügen, eben Sanuk. Je schöner eine Person spricht, um so mehr gewinnt das „Gesicht“ im sozialen Ranking. Sprachverwurschtelung als Volkssport,wie in Deutschland von vielen Comedy-Stars in Unterhaltungssendungen abgefeiert, wertet man in Thailand als unliebsame Respektlosigkeit, man verliert an „Gesicht“. So ermahnen die Eltern ihre Kinder, ihre Sprache nicht auf der Strasse zu erlernen. Mutationen der Gossensprache sind „Nutten-Thai“, eine Sprache, die oft von ausländischen Jobbern gesprochen wird, denen das korrekte und gesellschaftsfähige Erlernen zu aufwendig ist.

Um als Thai einen guten Job zu bekommen, muß man außer Dokumenten seine Sprach- und Kommunikationsfähigkeit unter Beweis stellen. Ohne zuvorkommenden Umgangston gibt es keinen anspruchsvollen Job. Thailand ist ein Service-Paradies, der Kunde muß bei einer Besprechung auch sprachlich verwöhnt werden im Sinne von Sanuk, Sabai und Suay. Moderatoren im Fernsehen werden wegen Wohlklang und Outfit bewundert und verehrt, nicht wegen ihrer inhaltlichen Präsenz.

Die wichtigsten Worte für Touristen

Touristen wird gern verziehen, wenn es mit der Aussprache hapert. Der römische Hexameter „Auch wenn die Kräfte nicht reichen, so muss doch der gute Wille gelobt werden“ findet auch in Thailand willkommenes Gehör. Als Zeichen der Wertschätzung ihrer Kultur wird jede noch so unvollkommene Aussprache respektvoll und mit höflich dankbarem Lächeln erwidert. Deshalb lege ich diesen kleinen Wortschatz jedem Touristen ans Herz. Männer müssen jedem Satz das Wörtchen ‚Khrab‘ anhängen, Frauen beenden einen Satz immer mit ‚Kha‘, eine unübersetzbare Höflichkeitsformel.

Hallo oder Guten Tag:     sawaddee khrab, kha

Tschüß:                               bai laew na khrab,kha

Auf Wiedersehen:             la gon khrab,kha

Ja/nein:                               chai/mai chai khrab,kha

Danke:                                 kob khun khra,kha

Bitte:                                   mai phen rai khrab,kha

Prost:                                  chai yo/chock di

Wie gehts?                         sabai di mai khrab,kha?

Morgen                               phrunee

Zahlen

Eins                   nüng

Zwei                  song

Drei                   sam

Vier                    sii

Fünf                   ha

Sechs                 hok

Sieben               jed

Acht                   bpäd

Neun                 gäo

Zehn                  sip

Wochentage

Montag                  wan djan

Dienstag                 wan angkhaan

Mittwoch               wan phut

Donnerstag            wan pharühat

Freitag                    wan suk

Samstag                  wan sao

Sonntag                   wan athit