Was Touristen tun können

Auf einer Tour mit „Mothers of Nature“ (MONA) im letzten Jahr habe ich Franja und Eugenia aus Fritzlar kennengelernt. Anders als viele andere Touristen zeigten sie auf der Tour ihr Interesse an der heimischen Bevölkerung. Nicht das gewohnte Interesse an der furchtbaren Naturkatastrosphe des Tsunami, der 2004 Khao Lak heimsuchte. Sondern sie fragten mit mitfühlender Neugierde, wie die Menschen, auch viele Jahre danach, mit seinen Auswirkungen  leben. Ich denke, beiden ist klar geworden, daß der Tsunami auch dazu beigetragen hat,  die wirklichen Probleme der hiesigen Einwohner aufzuzeigen.

Im Zuge des wachsenden Massentorismus gibt es auch in Khao Lak viele Verlierer auf Seiten der hier Ansässigen. Durch geschickte Verträge unter den Platzhirschen, Investitionen vieler Millionenbeträge ausländischen Kapitals, nehmen die Einwohner immer weniger am Wachstum teil. Eine bedrohliche Spirale, da die Preise stetig steigen und vieles nicht mehr bezahlt werden kann. Um diese davon  betroffenen Hilfsprojekte und privaten  Notfälle will sichdas Khao Lak Sponsoring Project (KLSP) kümmern. Es geht um den wichtigsten Aspekt von nachhaltigem Tourismus. Sicherlich haben Franja und Eugenia erkannt, daß jeder Tourist sich einer bestimmten Verantwortung trotz verdientem Urlaub nicht entziehen sollte.

Ein willkommener Grund, ihnen über das bevorstehende  Khao Lak Sponsoring Projekt zu berichten. Leider blieb zu wenig Zeit, eingehender die vielen Probleme und Details zu besprechen. Mit dem Versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen, um auch aktiv mit zu helfen, verabschiedeten wir uns.

Und sie kamen. Nachdem ich sie mit allen wichtigen Personen, die das Projekt betreuen, bekannt gemacht hatte, gingen wir gleich ans Werk. Bewundernswert, wie sie viele Tage ihres Urlaubs auf reine Erholung verzichtet haben. Darauf angesprochen, meinten beide mit einem beiläufigen Wink, dass ihnen das alles viel Freude bereite.

Da kaum Mitarbeiter vorhanden sind, die  sich um Medienpräsenz der lokalen Initiative kümmern können, haben beide diese wichtige Funktion übernommen. Sie haben viele Videos und Fotos gemacht, die die Aktivitäten dokumentieren. In den von ihnen geführten  Interviews mit den Verantwortlichen der Hilsorganisationen stellten sie schnell ihr entschlossenes Vorgehen unter Beweis. Sehr zur Freude aller Beteiligten. Schnell war auch klar, daß es nicht nur um Neugierde ging; auch Vertrauen, daß sich alle Mühe lohnen werde, war schnell hergestellt.

Bevor ich zwei  Projekte ihres Besuchs vorstelle, möchte ich gern darauf hinweisen, dass KLSP nicht um pauschale Unterstützung bittet, sondern um konkret bezifferte Aktionen wirbt . KLSP hat kein Spendenkonto. Die hilfreichen Bedarfsfälle werden einzeln durch Sponsoring direkt vermittelt, dokumentiert durch Belege.

Nach dem Tsunami gab es ungeheure finanzielle Investitionen aus dem Ausland, um die Infrastruktur Khao Laks neu zu gestalten. Für eine Schule wurde ein modernes Freibad gebaut. Leider fehlt heute der Schule das Geld, um notwendige Instantsetzungen in Auftrag zu geben. Um zu verhindern, daß diese Einrichtung an das benachbarte Luxushotel verkauft werden muß, will KLSP der Schule helfen. Falls es gelingt, ist der Schuldirektor auf Bitte von KLSP bereit, die  gesamte Anlage für die Öffentlichkeit frei zu geben. Jedes Kind in Khao Lak soll schwimmen lernen, auch am Wochenende und im Beisein der Eltern als Picknick Party und Familienveranstaltung.

Mehr als 95% aller Thais können nicht schwimmen. Khao Lak erstreckt sich 30 km lang direkt am Meer, es kann also auch eine lebensrettende Aktion sein, das Schwimmen zu erlernen.

Eine andere bemerkenswerte Aktion betrifft die Unterstützung einer Privatinitiative. Eltern autistischer Kinder haben ein Netzwerk aufgebaut, in dem  nicht nur die eigenen Kinder betreut werden. Um ihre Zukunft zu sichern, stellen die KInder verschiedene hochwertige Seifen in eigenen Lagerhallen her, die sie selbst verkaufen. Mittlerweile ist sogar die thailändische Regierung aufmerksam geworden, der amtierende Regierungschef liess sich zum Glückwunsch des Vorhabens mit dem Organisationsleiter medienwirksam ablichten. Diese außerordentliche Elterninitiative gehört nun zu den zehn bedeutsamsten Hilfsorganisationen Thailands.

Lobende Worte reichen allerdings nicht ganz aus. Wie auch Franja und Eugenia im Interview mit den Eltern erfahren haben, werden die Mietzahlungen allmählich zu einer ernsthaften Belastung. Alternativen sind noch nicht in Sicht. Ganz besonders hier wollen beide helfen, auch von Deutschland aus.